Die Freibadsaison naht und voller Vorfreude stürzen wir uns in die Fluten.

Zeitenwende

Mein Freund Harald hat einen ordentlichen Schluck aus der Pulle „Zeitenwende“ genommen. In seinem konkreten Fall handelt es sich dabei um ein SonderUNvermögen. Harald kann nicht schwimmen. Jahrzehntelang hat er seine Nichtpassion zelebriert oder geschickt kaschiert. Beizeiten hatte er jeweils eine passende Pilzerkrankung parat, so dass ein Freibadbesuch oder zumindest der Aufenthalt im kühlen Nass unratsam erschien. So kam er zu seinem Spitznamen „Schwammerl Harry“. Im Schwimmunterricht in der Schule endete der Rettungsversuch durch die Grundschullehrerin damit, dass die Retterin selbst vom Bademeister aus dem Wasser gezogen und wiederbelebt werden musste. (An dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch an Fräul… äh Frau Niederhuber zur silbernen Hochzeit). Harald wurde nach der Aktion für seine komplette Schulzeit vom Schwimmen befreit.

Yoga

Doch nun hat es ihn gepackt. Er will schwimmen lernen. Sportlichen Ehrgeiz schließe ich aus. Wahrscheinlich irgendwas mit Liebe. Wie auch immer. Als Instruktor wurde ich auserwählt. Mein erster Tipp war, dass er Trockenübungen in seine morgendliche Yogaeinheit im Stadtpark einbauen soll. Gesagt – getan! Harald berichtete über die Fortschritte und, dass sich mehrere Senioren von seinen Übungen inspiriert zu ihm gesellten und ebenfalls auf ihren Matten Froschbewegungen imitierten. Geschäftstüchtig wie er ist, hat er sich die Yogaübung „Drowning Frog“ schon patentieren lassen und die Youtubevideos sind bereits in der Mache.

Anakonda

Die ersten Schwimmversuche im Wasser gestalten sich etwas komplizierter. Um größere Menschenaufläufe zu vermeiden, hatte Harald mich gebeten für das nötige Ambiente zu sorgen. Ich hatte die Bademeister mit Freikarten für meine nächste Lesung versorgt und so hatten wir die Becken nach dem Badeschluss exklusiv für uns. Das war auch besser so, denn bereits die erste Übung mit einer Schwimmnudel eskalierte oscarreif als „Todeskampf mit Anakonda“. Immerhin musste ich nicht eingreifen, da wir vorsichtshalber im Nichtschwimmerbereich gestartet sind.

Seelöwe

Bei den Übungsformen ließ ich meiner Kreativität freien Lauf. Wobei meine lautstarken Anfeuerungsrufe per Megafon vom Beckenrand nicht die gewünschte Wirkung zeigten. Für den Technikfreak Harald organisierte ich daraufhin eine Drohne. Wie ein beschwipster Schmetterling umschwirrte diese den Schwimmnovizen während seiner Lektionen und filmte die Darbietung. Die anschließende Analyse des Videos per Projektion auf eine Großleinwand am Beckenrand kommentierte der sich in den Feierabend verabschiedende Bademeister grinsend mit „Public Viewing ohne Public?“

Tatsächlich brachte die gute, alte Seelöwenmethode schlussendlich den entscheidenden Durchbruch. Ein Gummibärchen für jede sauber umgesetzte Anweisung. Gar eine Handvoll für die erste komplette Bahn – ohne Anhalten. Meinen Kommentar, dass er, wenn er noch einen Wasserball auf der Nasenspitze balancieren würde, gleich eine ganze Tüte bekommen würde, sorgte nicht gerade für Erheiterung. Er verzichtete auch auf die Abnahme des Seepferdchens. Die Begründung: das Abzeichen wäre auf seiner neongelben Badehose mit Walrossmotiv – auf der Hinterteilseite wohlgemerkt – eher unpassend.

Wie dem auch sei – Herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Walrossabzeichen an Harald!

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