Frohe Weihnachten! Über Geschenke und ein Nichtangriffspaket. Die Lektüre zum Fest. Viel Spaß beim Lesen…

Die Christenheit feiert die Geburt Jesu. Sowas wie das Gründungsfest des Neuen Testaments. In der modernen, kommerziellen Realität überwiegen jedoch die alttestamentarischen Urzwänge: Auge um Auge, Geschenk um Geschenk. Gutschein um Gutschein.

Die alljährliche Hatz nach/um die Geschenke. Ein nahezu militärisches Gehabe. Wobei – mein Freund Harald hisst eigentlich die weiße „Wir schenken uns nichts“-Fahne. Der weihnachtliche Nichtangriffspakt: „schenkst Du mir nix, dann schenk ich Dir nix!“ Doch zu seinem Missbehagen wurde er in der Vergangenheit wiederholt ausgetrickst und dann doch spontan mit einem Präsent „konfrontiert“. Daraufhin hat er Abwehrstrategien entwickelt.

Unter anderem auch eine Art Verteidigungswall. Er klappert alle einschlägigen Läden im Umkreis ab, um sich zu erkundigen, ob denn jemand dort für ihn ein Geschenk gekauft habe. Von den „Hauptverdächtigen“ hat er Fotos dabei. Übertrieben? Nun ja, immerhin hackt er sich nicht in Online-Konten ein, um Bestellungen auszuspionieren. Die wenigen, bekannten Versuche sind scheinbar an seinen unzureichenden IT-Kenntnissen gescheitert. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz geplant ist.

Für den Fall der Fälle, dass seine Pionierrecherchen scheitern und er mit einem „Blitzgeschenk“ überrascht wird, hält er ein paar überwältigende Gegengeschenke vor. Aus der Kategorie „Massenvernichtung“. Oder besser „Vernichtung durch Masse“. Das zauberhafte 1000-Seiten-Ungetüm „Der Zauberberg“. Daneben gibt es noch eine grazilere, strategische Variante. Sun Tzu Wu Tzus „Die Kunst des Krieges“. Mehrere Exemplare dieser beiden literarischen Meisterwerke liegen einsatzbereit, verpackt zur Übergabe bereit. Auf dass sich der „Kontrahent“ weitere, zukünftige, wohl gemeinte „Gaben“ verkneift.

Für Gleichgesinnte, die wie Harald dem Pragmatismus frönen, hält der Präsentverweigerer noch eine technische, digitale Kompensationslösung vor. Denn für den Ökonom Harald hinterlässt auch die nett gemeinteste Gabe am Ende eine Verbindlichkeit für den Empfänger. Eine Verpflichtung zur Erfüllung. Die angenehmste Art des Ausgleiches ist eine Aufrechnung per App. Beide Seiten tragen dort ihre ideellen Aufmerksamkeiten ein. Die Geschenkeorgie in Hülle und Fülle beschert niemandem ein „Soll“. Ein weihnachtliches Stillleben. Buchhalterromantik.

Schlussendlich fühlt Harald sich bestens gerüstet für das Fest der Freude und des Friedens.

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