Der Ausblick auf das Jahr 2026. Ein „Alles gut“? Oder wohl eher ein „passt schon“ – hoffentlich…
Es sagt sich so leicht dahin: „Alles gut“. Ja klar. Beschönigend. In der Hoffnung sich weiteren Fragen oder einer noch ausstehenden Unterhaltung zu entziehen. Der Rettungsanker bei einer Kreuzfahrt mit dem Schlauchboot auf dem Ozean der Unzumutbarkeiten.
Um meinen Freund Harald, den abwägenden, jede Silbe minutiös analysierenden Kopfmensch aus der Fassung zu bringen, braucht es nicht viel. Es genügt ein schlichtes, unbedacht dahin gechattetes „Und? Alles gut?“ und schon ist er im Gefechtsmodus. Es folgt eine Lawine an Gegenfragen und Belehrungen. Aus Zeitgründen und als Dienstleistung gegenüber dem Leser fasse ich die Botschaft kurz zusammen: Alles gut? Es kann gar nicht ALLES gut sein. Das ist aufgrund der impliziten Absolutheit unmöglich.
Im Gegenteil. Ein „Alles gut?“ – oder die Neon-Variante aus den 80ern „Alles paletti?“ – kann ernsthaft nicht mit „Ja“ beantwortet werden. Mal abgesehen von banalen Allerweltszipperlein. Eine äußerst schmerzhafte Zahnfleischentzündung. Oder ein Fußpilz, der jährlich wiederkehrt wie der nadelnde Tannenbaum. Bis hin zur unsichtbaren, aber dennoch nicht zu unterschätzenden geistigen Verunsicherung. Mit der schnöden Frage „Alles gut?“ wird der Gegenüber zu einer Abwägung der Heftigkeit oder gar Bedrohlichkeit der „Defizite“ genötigt. Eine Inventur der Malaisen. Wohlwissend, dass der „Alles gut“-Zustand eigentlich nur ideell oder in der Frühstücksflockenwerbung erreicht werden kann. Von bundes- oder gar weltpolitischen Kalamitäten ganz zu schweigen…
Was also tun? Was wäre denn nun eine geeignete Konversationseröffnung, die dem lieben Harald taugen könnte: „Haben sich zu deinem eh schon miserablen Zustand noch weitere Unzulänglichkeiten hinzugefügt? Wie steht es um dein Bulletin der schlechten Laune? Gäbe es ein Thema, dass eine Unterhaltung zulassen würde, ohne dich in deiner Tristesse zu stören?“ Sollte ich bei Harald unvorsichtigerweise mal ins „Alles gut“-Näpfchen getreten sein, dann habe ich mir als abschließende Replik auf seine Herzschmerzpredigt ein Meister-Eder´sches „nix für ungut“ angeeignet.
Zum Glück betrifft die restlichen 99,99 Prozent der Weltbevölkerung dieses Dilemma nicht. Also jene, die keinen Austausch mit Harald pflegen. Jene, die sich ein naives „Alles gut“ mit einem gesamtheitlichen „Ja“ beantworten trauen. Oder die Variante aus der guten, alten Zeit. Als man noch keinen Hörsturz bekommen hat, nur weil der Akku des Handys leer ist. Als die Währung fürs Wohlbefinden ein voller Bauch war und nicht die Anzahl von „Likes“ für ein Bild von der Mahlzeit. Damals wäre die Entgegnung auf „Alles gut?“ ein „Passt schon“ gewesen.
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